Die zunehmende Verbreitung von Industrie-4.0-Technologien verändert grundlegend, wie Maschinen und Anlagen entwickelt und in Betrieb genommen werden. Die Virtuelle Inbetriebnahme (VIBN) hat sich dabei als Schlüsseltechnologie etabliert, um Steuerungen auf Basis eines Digitalen Zwillings vorab zu testen, zu validieren und zu optimieren – noch bevor reale Hardware existiert. In der Hochschulausbildung fehlt es jedoch bislang an praxisnahen Lehrformaten, die Studierende gezielt mit den Methoden und Werkzeugen der VIBN vertraut machen und diese als integralen Bestandteil moderner Produktentstehungs- und Produktionsprozesse vermitteln.
Das Projekt zielt darauf ab, einen anwendungsorientierten Hochschulkurs zur Virtuellen Inbetriebnahme zu entwickeln, der Theorie, Selbststudium und praxisnahe Übungen in einem ausgewogenen Verhältnis verbindet. Dabei soll die klassische Inbetriebnahme der virtuellen Vorgehensweise gegenübergestellt und das Gelernte abschließend in einer eigenständigen Projektarbeit an einem realen Anwendungsfall erprobt werden. Durch die Modellierung eigener Szenarien und die Durchführung praxisnaher Projekte sollen Studierende jene Kompetenzen erwerben, die in modernen Automatisierungsprojekten zunehmend zum Standard gehören.
Der Kurs wird gemeinsam vom Institut für Produktion und Informatik Sonthofen (IPI) der Hochschule Kempten und der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden entwickelt und im Rahmen der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb) gefördert. Er richtet sich an Bachelor- und Masterstudierende beider Hochschulen und schlägt damit eine direkte Brücke zwischen angewandter Forschung, moderner Lehre und den Anforderungen der Industrie.